Obwohl die Schülerzahlen allgemein sinken, mussten die 205 öffentlichen Gesamtschulen in Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr nach Angaben der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule (GGG) NRW. Den Angaben zufolge werden im Landesschnitt in NRW von allen Schülern der vierten Klasse 25 Prozent an den Gesamtschulen angemeldet. Allerdings könnten nur 17,3 Prozent auch aufgenommen werden, hieß es weiter. Wie der Verband weiter erklärte, zeigten diese Zahlen den Eltern-Wunsch nach einem längerem gemeinsamen Lernen, erklärte der GGG-Vorsitzende Werner Kerski in Düsseldorf.
Dabei warf Kerski der nordrhein-westfälischen Landesregierung “Verhinderungspolitik” bei Neugründungen vor. Im Moment sei es nur noch möglich, neue Gesamtschulen über Klageverfahren von Kommunen und Eltern zu erzwingen. So gebe es noch drei Gegenden, in denen keine Gesamtschulen angeboten werden: in den Kreisen Höxter und Olpe sowie im Hochsauerlandkreis. Einen Anmeldeboom gebe es ebenso für die gymnasiale Oberstufe, erklärte Kerski. An zahlreichen Schulen würden mehr als 50 Prozent der externen Anmeldungen nicht berücksichtigt.
Die Landesregierung hat den Vorwurf einer “gesamtschulfeindlichen Politik” zurückgewiesen. Klaus Kaiser, schulpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion erklärte, dass seit 2005 wesentlich mehr Gesamtschulen genehmigt worden seien, als es unter der Vorgängerregierung der Fall war. Gab es zwischen 2000 und 2005 nur eine Neugründung, seien in den vergangenen Jahren sieben öffentliche Gesamtschulen genehmigt worden. Zwei davon seien mangels Schülerzahlen nicht zustande gekommen. Zudem sind den Angaben Kaisers zufolge drei neue private Gesamtschulen zugelassen worden. Wie viele der Neugründungen auf dem Klagewege zustande kommen, wurde nicht bekannt.
Die Schulformempfehlungen der Grundschulen kritisierte Rainer Dahlhaus von der Schulleitungsvereinigung Gesamtschulen Nordrhein-Westfalen. Ihm zufolge sind die Durchschnittsnoten-Spannen zu den Empfehlungen sehr breit. So gebe es Schulen von Münster und Hagen über Dortmund, Duisburg und Düsseldorf bis hin nach Mönchengladbach, Aachen und Bonn, an denen Schüler mit einem Kernfachschnitt von 2,7 oder 2,8 von einer Grundschule die Berechtigung bekomme, das Gymnasium zu besuchen. Andere Schulen in NRW hingegen würden Kindern mit diesem Kernfachschnitt nur eine Hauptschulempfehlung aussprechen.
Quelle: epd
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