Chantal aus Hamburg: Das Totalversagen des Jugendamtes

flickr.com / jesper2cv

Bereits seit einigen Tagen laufen Ermittlungen zum Fall von Chantal, dem elfjährigen Mädchen aus Hamburg-Wilhelmsburg, das an einer Überdosis der Ersatzdroge Methadon gestorben ist. Und je länger die Ermittlungen dauern, desto mehr Dritte melden sich zu Wort und berichten von ihren Erfahrungen mit dem zuständigen Jugendamt Hamburg-Mitte. Die Wut, die Fassungslosigkeit und die Ohnmacht wachsen dabei fast täglich an, denn es wird immer deutlicher: Chantals Tod hätte vermieden werden können. Wir sind wütend!

Wir können unsere Wut kaum in Worte fassen: Lehrer berichten, sie haben das Jugendamt Mitte schon vor Monaten darauf hingewiesen, dass Chantals jüngere Pflegeschwester einen verwahrlosten Eindruck machte und die Pflegeeltern sie teilweise nicht einmal von Terminen abholte. Da berichtet der leibliche Vater, dass er das Jugendamt bereits vor langer Zeit auf die Probleme in der Familie aufmerksam gemacht hat. Immer mehr Berichte von Beteiligten und anderen Personen erscheinen, die ein katastrophales Bild ergeben: das Jugendamt hat nichts getan. Wissend, dass Chantal in Gefahr ist. Es ist unfassbar.

Jugendamt wusste von Drogenkarriere

Inzwischen steht fest, dass das Jugendamt sehr wohl von den Drogenproblemen der Pflegefamilie wusste. Und nichts unternommen hat. Da hilft es auch nicht, wenn Bezirksamtschef Markus Schreiber nun Drogentests für alle potenziellen Pflegeeltern anordnet – es keimt der Verdacht auf, dass die Ergebnisse ohnehin niemand interessieren. A propos Markus Schreiber: für Leser, die nicht aus Hamburg stammen, sei hier am Rande erwähnt, dass Markus Schreiber beileibe kein Unbekannter in Hamburg ist. Er war es, der einen Stahlzaun um eine Brücke bauen ließ, um die dortigen Obdachlosen zu vertreiben, er war es, der ihn nach harschem Protest aus Hamburg wieder abreißen ließ und stattdessen trotzig eine Luxustoilette dort aufstellen ließ, die niemand sauberhält. Er war es auch, der Obdachlose vom Hauptbahnhof verdrängen wollte – in Hamburg wird er auch bisweilen als “Stadtsheriff” bezeichnet. Er widmet sich mit Hingabe Problemen, die keine sind. Die echten Probleme hat er offenbar schulternzuckend hingenommen – nur so ist zu erklären, dass die zuständige Amtsleiterin des Jugendamtes Hamburg-Mitte noch im Amt war nach dem Tod von Lara-Mia.

Ungeeignet, aber keine passende Stelle

Jedem Beobachter mit einem Restfunken an Verstand verschlägt es den Atem, wenn Markus Schreiber erklärt, dass er nach dem Tod der acht Monate alten Lara-Mia, ebenfalls aus Wilhelmsburg, im Jahr 2009 die Leiterin des Jugendamtes Mitte für ungeeignet hielt, aber sie auf dem Posten ließ, weil er “keine andere Stelle” für sie gefunden habe. Inzwischen ist Pia Wolters beurlaubt – vielleicht zu spät.

Sonderausschuss Jessica

Schon 2005 fiel in Hamburg ein Kind durchs Raster: Jessica. Unter großem Aktionismus versprach der damals amtierende Bürgermeister Ole von Beust (CDU), dass sich dies nie wiederholen dürfe. Kurzzeitig wurde unter erhöhtem Personalaufwand daran gearbeitet, dieses Versprechen einzuhalten. Dann wurde das Personal ausgedünnt, und die Behörden fielen schnurstracks zurück ins alte Muster, prangert auch Kinderhilfe-Chef Georg Ehrmann an. Das Personal wurde ausgedünn, weil kein Geld da war. Für das komplett fehlkalkulierte und völlig überflüssige Prestige-Projekt Elbphilharmonie finden sich allerdings immer noch ein paar Millionen im Budget.

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  • Marianna

    Das ist echt kaum zu glauben :-( Wie können Ämter bloss so blöd sein?? Dafür müssen doch echt Köpfe rollen, aber so wie ich unsere Regirung kenn heisst es nur wieder “ups konnten wir ja nicht wissen, wir machen irgendwann wohl mal neue Gesetze” *kotz* Wegen denen ist ein Kind tot verdammt!!!

  • georg

    war ja klar und der feine herr schreiber tut jetzt wieder so als wär er totaaaal unschuldig. und in berlin ist ja anscheinend grade genau das gleiche passiert, wenn die behörden jetzt nicht reagieren wann dann?!

  • Dr. Braun

    Die sozialen Probleme in Deutschland werden angeblich weniger. Diese Causa ist wieder einmal ein Mahnmal, wie sich die Politik die Situation schönredet! Von weniger Problemen kann keine Rede sein: Kinderarmut vor unserer Haustür, zunehmende kulturelle Konflikte durch Separation statt Integration, Gewalteskalationen, immer weiter steigende Zahlen von Gewalt gegen Kinder, und offenbar völlig überforderte Kommunen.
    Das darf nicht sein! Die Bundesrepublik Deutschland investiert überall Geld – nur nicht da, wo es am Nötigsten ist. Das Kasperlkabinett Merkel entlarvt sich immer mehr als machtbesessene Marionetten eines kapitalistischen Systems ohne Fantasien und Visionen. Wenn Angela Merkel Helmut Kohls Ziehtochter sein soll, hat Kohl an ihr versagt.

  • Marius

    Das Beste ist: Ole von Beust erklärt auch noch stolz in der Mopo, dass er die Elbphilharmonie jederzeit wieder bauen würde. Der hat ja wohl den Schuss nicht gehört, zieht Leute vom Jugendamt ab und fährt dieses Idiotenprojekt volles Rohr auf Grund, macht ein Millionengrab draus, und ist auch noch stolz drauf. Wann müssen Politiker endlich für die Scheiße haften, die sie verbocken?!?

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