Familienkrankheit Alkohol und Drogen – Gesellschaft pennt leider

Da sitzen wir doch gestern so in der Redaktion und zappen uns durch den alltäglichen TV-Müll, der einem so am Nachmittag von den deutschen TV-Sendern geboten wird. Hierbei sind wir zufällig auf ein Thema gestoßen, das zwar widerlich aufgemacht war, im Kern aber eine wichtige Sache getroffen hat: die Familienkrankheit Alkohol.

Nichts ist schlimmer, als wenn ein Familienmitglied alkoholsüchtig oder drogenkrank ist. In Deutschland soll dies mehreren aktuellen Studien zufolge wohl sage und schreibe 2,6 Millionen Kinder betreffen, bei denen mindestens ein Familienmitglied drogen- oder alkoholsüchtig ist – oft auch beide Elternteile. Wer selbst davon betroffen ist oder war, der weiß, dass viele Kinder von suchtkranken Eltern gerne wegschauen möchten, doch geht das nicht, sie werden oft still oder sind am liebsten unsichtbar.

In Familien mit Alkoholproblemen sind die Kinder verwirrt, verängstig, fühlen sich alleine gelassen und denken mitunter auch, es ist ihre Schuld. Ihr eigenes Päckchen haben diese im wahrsten Sinne des Wortes zu tragen. Die Kinder tragen nicht nur die eigene Last, sondern müssen oft die der Eltern und früherer Generationen mittragen! Nicht selten kommt es dann vor, dass die Kinder später über kurz oder lang selbst zur Nadel oder der Flasche greifen.

Hier tragen aber unsere Gesellschaft und unsere Behörden eine große Mitschuld. Denn oft müssten sich die Kinder selbst nicht den Trost dann später im Alkohol oder bei den Drogen suchen, würden die Nachbarn besser hinschauen und würden die Behörden dann handeln, wenn es notwendig ist. Während so manch ein Mitarbeiter des Jugendamtes bei vermeintlichen Kleinigkeiten knallhart ist, konnte in letzter Zeit doch öfter vor Ort festgestellt werden, dass beim Thema Alkohol einfach weggeschaut wird. So gibt es viele Eltern, von denen ein ganzes Viertel von der Drogensucht oder Alkoholabhängigkeit weiß, das Jugendamt jedoch schaut weg – weil die Ämter zu viel Arbeit haben, keine Schwierigkeiten wollen, oder warum auch immer. Fast der kompletten Redaktion sind grausame Fälle aus Deutschland in den letzten Jahren bekannt, bei denen das Jugendamt nicht rechtzeitig handelte.

So gibt es beispielsweise einen konkreten Fall aus Nordrhein-Westfalen, bei dem das Jugendamt vor ein paar Jahren mehrfach darauf hingewiesen wurde, dass ein junges Ehepaar drogenkrank ist und ein Neugeborenes in der Wohnung verwahrlost. Eingeschritten wurde von Seiten der Behörde nicht. Nachdem die Wohnung zwecks Mietschulden in einer unerwarteten Aktion zwangsgeräumt wurde, entdeckten die Mieter eines Mehrfamilienhauses, die das Jugendamt mehrfach darauf hingewiesen haben, nicht nur Drogen, sondern auch eine geladene Waffe. Ein Wunder, dass hier nichts Schlimmeres passiert ist.

Doch nicht nur die Behörden müssen in Deutschland andere Wege einschlagen, jeder Einzelne kann etwas dazu beitragen! Denn auch wenn die Ämter nicht auf solche Hinweise reagieren, bitte gehen Sie den Mitarbeitern der zuständigen Behörden auf die Nerven, bis endlich eingegriffen wird. Im Sinne unserer Kinder!

Kennen Sie ähnliche Vorfälle? Berichten Sie uns doch über die Kommentarfunktion oder per E-Mail (news@kinderzeugs.de). WIR wollen nicht wegschauen!

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