Ist der antiautoritäre Erziehungsstil zu lasch?

Der antiautoritäre Erziehungsstil ist eine Entwicklung aus den 60er Jahren. Ende dieses Jahrzehnts begannen de Menschen, sich gegen Obrigkeiten zur Wehr zu setzen und ein freies und selbstbestimmtes Leben ohne Grenzen zu führen.

Bis dahin wurden die Kinder auch sehr streng erzogen, den Anweisungen der Eltern und Erzieher war bedingungslos Gehorsam zu leisten, Zuwiderhandlungen wurden teilweise sehr hart bestraft. Damals wurden die Kinder selbst zu Eltern, die damals ihre Eltern zu den Zeiten des Weltkrieges mit all seinen schrecklichen Facetten erleben mussten.

Gefühle blieben damals häufig aufgrund der schlimmen Erlebnisse auf der Strecke, das System war allgemein sehr streng. Ende der 60er Jahre wurden Freiheit und Selbstbestimmung dann zu wichtigen Schlagworten.

Kinder sollen sich frei entwickeln können

Kritiker prangerten den extremen Zwang zur Gehorsamkeit während der 20er und 30er Jahre an. Kinder könnten keinerlei Selbstbewusstsein entwickeln und Kontakte würden durch die strenge Erziehung unterdrückt.

Die antiautoritäre Erziehung ist das krasse Gegenteil davon, den Kindern werden kaum mehr Grenzen gesetzt. Das bedeutet natürlich nicht ganz, dass sie tun und lassen können, was sie möchten, sie haben jedoch ziemlich freie Hand. Die Gemeinschaftsfähigkeit und die Kreativität sollen durch diesen Erziehungsstil gefördert werden, Selbstbewusstsein und Persönlichkeit können sich ungehindert entfalten.

Viele Kinder, die sehr autoritäre Eltern hatten, wurden später aggressiv und widersetzten sich allen Regeln. Die Umkehr zu einem komplett anderen Erziehungsstil sollte die Gesellschaft positiv verändern.

Die Problematik der antiautoritären Erziehung

Problem bei dieser Entwicklung war jedoch, dass Eltern ihre Kinder komplett ohne Grenzen aufzogen, so dass sie zu wahren Egoisten heran wuchsen. Ein „Nein“ der Eltern wurde überhaupt nicht mehr akzeptiert, so dass Disziplin vollkommen auf der Strecke blieb.

Heute gibt es immer noch eine solche Form der Erziehung, allerdings spricht man nun eher von demokratisch oder liberal und nicht mehr von antiautoritär. Setzt man Kindern jedoch keinerlei Grenzen, dann werden sie zu Egoisten und akzeptieren auch später in der Arbeitswelt und der Gemeinschaft keine Vorschriften und Regeln. Negative Gefühle werden einfach verdrängt, Einfühlungsvermögen kann nicht erlernt werden, Rücksicht ist ein absolutes Fremdwort.

Beim antiautoritären Erziehungsstil bekommen Kinder von Erziehern nur noch Vorschläge und Angebote, Zwang wird überhaupt nicht ausgeübt. Kinder tragen für ihre Entscheidungen und ihr Handeln selbst die Verantwortung. Es werden nur Regeln aufgestellt, die der Selbstentwicklung der Kinder nicht im Weg stehen. Kinder müssen sich nicht den Erziehern unterordnen, sondern werden als gleichberechtigte Persönlichkeiten angesehen.

Allerdings stellte man schnell fest, dass Kinder sich durch die Abschaffung von Regeln nicht freier entfalteten, sondern dass sie aufsässig wurden und keine bestehende Ordnung mehr akzeptierten. Viele Eltern kamen gar nicht mehr mit ihren Kindern zurecht und ließen sie einfach ihr Ding machen, aus „antiautoritär“ wurde plötzlich „laissez-faire“.

Antiautoritär ist nicht der perfekte Erziehungsstil

Eltern und Erzieher begriffen recht bald, dass die Ansätze des antiautoritären Erziehungsstils zwar gut waren, aber alles andere als perfekt. Er war der Vorreiter für viele moderne Erziehungsansätze, aber man entschied sich wieder dafür, mehr Konsequenz walten zu lassen.

Heute setzen viele Eltern eher auf liebevolle Konsequenz, als ihre Kinder antiautoritär aufwachsen zu lassen. Die eigene Persönlichkeit jedes Kindes sollte dabei respektiert werden, jedoch sind Regeln und Grenzen für eine gesunde Entwicklung unerlässlich.

Kinder sollten sich frei entfalten können, brauchen dazu jedoch auch die Anleitung von Erwachsenen. Dennoch sollen Kinder unbedingt auch negative Erfahrungen machen, das sollte man ihnen nicht ersparen, denn auch das gehört zum Erwachsenwerden und zum Leben dazu.

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