Kinder im Internet: Viele Eltern schauen weg

Foto: flickr.com / crimfants

Täglich nutzen nahezu alle Kinder ab zehn Jahren das Internet. Welche Erfahrungen ihre Kinder im Netz machen, darum kümmern sich leider nicht alle Eltern, wie eine Forsa-Studie als Ergebnis einer Umfrage ergab.

Die meisten Eltern haben keine Ahnung, in welchen Foren und Internetcommunitys sich ihre Kinder aufhalten. In Auftrag gegeben wurde die Forsa-Studie „Jugend 2.0 – 10- bis 18-Jährige in der digitalen Welt“ vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom). Mehr als 700 Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 18 Jahren wurden dazu befragt. Fast alle Beteiligten gehen täglich ins Netz, stellte sich dabei heraus. Mit zunehmendem Alter steigt auch die Dauer der Nutzung. Täglich surfen 96 Prozent in der Gruppe der 10- bis 12-Jährigen, und sogar 100 Prozent die 13- bis 15-Jährigen. Im Netz vertreten sind bis zu 99 Prozent die 16- bis 18-Jährigen.

Der Präsident August-Wilhelm Scheer von Bitkom sagte, dass sich viele Eltern nur oberflächlich um die Internetnutzung ihrer Kinder kümmern. Einer der Gründe dafür ist, dass viele der Eltern weniger technisch versiert seien als ihre Kinder. Einen Kinderschutz im PC eingerichtet haben lediglich 27 Prozent der Eltern bei den Zehn- bis Zwölfjährigen, 16 Prozent bei den 13- bis 15-Jährigen und nur fünf Prozent bei den 16- bis 18-Jährigen. Deren Wirksamkeit ist nicht unumstritten, eine gute Möglichkeit zur Einflussnahme ist allerdings, Kinder auf spezielle Kinder-Suchmaschinen wie www.blinde-kuh.de und Webseiten zu lenken. Einen besseren Jugendschutz fordert Scheer zudem von der Politik – wälzt damit aber zugleich einen Teil der Verantwortung auf die Regierung ab, die entgegen der Behauptungen diverse TV-Sendungen längst beispielsweise für sogenanntes Cyber-Grooming wesentlich drakonischere und weitgreifendere Strafen verordnet hat als für Belästigungen außerhalb des Internet.

Nicht nur zum Vergnügen dient den jungen Nutzern das Internet. Viele der Befragten hören Musik (63%), spielen Online-Games (48%), sehen sich Videos und Filme an (73%). Allerdings lesen auch 40 Prozent Online-Nachrichten und für Informationen für Schule und Ausbildung nutzen 76 Prozent das Netz.
Aktiv in Online-Communitys sind 74 Prozent der Befragten. Nach eigener Auskunft gehen diese vorsichtig mit persönlichen Daten um. Ihre Daten schalten in Communitys wie Facebook 58 Prozent nur für die jeweiligen Freunde in der jeweiligen Gemeinschaft sichtbar – eine immens wichtige Maßnahme. 14 Prozent allerdings stellen ihre Daten für alle Community-Mitglieder frei, und fünf Prozent geben ihre Daten allen Besuchern ihres Profiles frei. Ein Großteil der Jugendlichen misst anderen Bereichen eine höhere Bedeutung zu, trotz ihrer digitalen Sozialisierung. Den vierten Platz auf ihrer Prioritätenliste nimmt das Internet ein. Zuerst kommen die Freunde, Familie und gute Schulnoten. Nach der Internetnutzung stehen dann Sport, Haustiere und Markenkleidung auf der Liste.
Im Internet sexuell belästigt wurden nach der Studie 16 Prozent der Mädchen und drei Prozent der Jungen. Insgesamt 10 Prozent wurden belästigt oder beleidigt. Bei zunehmendem Alter steigt diese Zahl. Derartige Erfahrungen haben bei den Zehn- bis Zwölfjährigen 6 Prozent gemacht und 29 Prozent waren es bei den 16- bis 18-Jährigen. Stärker als im direkten Kontakt wirkten die Beleidigungen im Netz, sagte Scheer, denn sie bleiben dort stehen und können auch eine lange Zeit gelesen werden.
Wichtig: Eltern sollten ihre Kinder sich nicht selbst im Netz überlassen! Wer sich unsicher im Umgang mit den neuen Medien fühlt, für den halten Volkshochschulen spezielle Kurse bereit, meist sind auch Verwandte und Bekannte gerne bereit, Nachhilfe zu geben, um gerade die Kinder im Netz zu schützen. Verteufelt werden sollte das Internet aber trotz anderer Strömungen keinesfalls: wer seine Kinder aus Angst vor dem Web versteckt, enthält ihnen möglicherweise einen wichtigen Teil ihrer beruflichen und auch persönlichen Zukunft! Und: ein Inhaltsfilter kann persönliche Gespräche nicht ersetzen, zu leicht ist er zu umgehen – egal, was Ihnen der Hersteller verspricht. Setzen Sie sich gemeinsam mit Ihrem Kind aktiv mit dem Internet auseinander, und entdecken Sie gemeinsam das Potenzial.

2 Responses to Kinder im Internet: Viele Eltern schauen weg

  1. Peter sagt:

    tztz, keinen Link zu Flickr gesetzt. Werde gleich mal Flickr informieren.

  2. Timo Hermann sagt:

    Lieber Peter, worüber möchtest du Flickr informieren? Dass dieser Artikel ein Bild unter CC-Lizenz enthält, das bei uns selbst gehostet wird? Gerne erklären wir dir, wie das funktioniert: die CC-Lizenz bedeutet, dass der Autor namentlich genannt ist, was durch die Betitelung „Foto: flickr.com / crimfants“ rechtssicher geschehen ist. Ein Hotlink zu flickr.com ist nur nötig, wenn von flickr gehostete Bilder eingebettet werden.
    Weitere Infos gibt dir die Hilfe von flickr: http://www.flickr.com/help/photos/#2265887, und gerne beantworten wir dir auch weitere Fragen – schließlich versteht sich Kinderzeugs als Magazin mit Bildungsauftrag 🙂

    Mit besten Grüßen, Timo

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