Nachmittagsbetreuung würde dem Arbeitsmarkt dienen

Eine halbe Million mehr Frauen könnten dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, würde die Nachmittagsbetreuung von Kindern weiter ausgebaut werden. Eine Rückkehr in den Beruf, wenn die Kinder gut betreut werden, wünschen sich über ein Drittel der Frauen. Dies hat eine Allensbach-Umfrage belegt.

Weil aber Alternativen fehlen, müssen sich fast 60 Prozent der Eltern in Deutschland selbst am Nachmittag um die Kinder kümmern. Gleichzeitig Mutter und berufstätig sind in der Bundesrepublik rund 6,9 Millionen Frauen. Für viele ist es ein Kraftakt, beides unter einen Hut zu bekommen. Wenn die Kinder in die Schule gehen und die Eltern sich um eine Anschlussbetreuung kümmern müssen, ist das ganz besonders der Fall. Mütter, die wieder einen Beruf ausüben möchten, werden oft davon abgehalten, weil ein Mangel an Schulen oder Hortplätzen herrscht, die ein Nachmittagsprogramm anbieten.

Berechnungen, die im Auftrag des Bundesministeriums erstellt wurden, haben deutlichen Optimierungsbedarf ergeben. Demnach würden bis zu 500.000 Frauen dem Arbeitsmarkt zusätzlich zur Verfügung stehen – bei einem entsprechenden Ausbau der Ferien- und Nachmittagsbetreuung. Zusätzliche Beiträge von drei Milliarden Euro in die Sozialversicherungssysteme im Jahr verspricht sich Ministerin Kristina Schröder. Diese sollten, um den persönlichen Bedürfnissen von Müttern entgegenzukommen, genutzt werden, denn auf dieses Potenzial kann langfristig nicht verzichtet werden – Stichwort Fachkräftemangel. Bis zu zwei Millionen qualifizierte Arbeitnehmer werden laut einer Prognose der Unternehmensberatung McKinsey der deutschen Wirtschaft im Jahre 2020 fehlen.

Nun hofft das Familienministerium, dass mehr Bereitschaft im Bundeskabinett vorhanden ist, damit für den Ausbau der Ganztagsbetreuung mehr Investitionen bereitgestellt werden. Die Ministerin meint dazu, dass für Schulkinder in den Ferien und am Nachmittag mit verlässlichen, bezahlbaren und flexiblen Angeboten viel mehr zu erreichen wäre.
Diese Erfahrung bestätigt eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach, die im Auftrag des Familienministeriums erstellt wurde. Dass „Alles im allem nicht so gut zu vereinbaren ist“, sagen fast zwei von drei der befragten Mütter, die schulpflichtige Kinder in Deutschland haben. Jede dritte arbeitende Mutter die in Teilzeit arbeitet würde gerne mehr Stunden am Tag arbeiten, und insgesamt wünschen sich 37 Prozent der nicht berufstätigen Mütter Arbeit. Die Hausaufgabenbetreuung gaben die Befragten als größte Probleme für die Vereinbarung an. Aber auch, wenn ein Kind krank wird, Schulferien sind oder der unerwartet der Unterricht ausfällt, sind die Organisationsprobleme recht schwierig. Die Betreuung im Krankheitsfall ist ein ganz wesentlicher Punkt, meint die Geschäftsführerin Renate Köcher von Allensbach-Institut, denn wenn ein Kind krank wird, kann es auch nicht in den Hort geschickt werden, und das gesamte Konstrukt bricht zusammen.

In Vollzeit arbeiten können aus diesen verschiedenen Gründen nur 17 Prozent aller Mütter mit Kindern im Grundschulalter. Komplett zu Hause bleibt jede dritte Frau. Für die Betroffenen kann dies ernste finanzielle Sorgen bereiten und das drückt auch auf die Fachkräftebilanz. Deshalb lebt heute knapp oberhalb der Armutsgrenze jedes vierte Kind einer alleinerziehenden Mutter die gar nicht oder nur in Teilzeit arbeiten kann.

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