Die jüngst bekannt gewordenen Missbrauchsfälle beim Jesuitenorden scheinen nur die Spitze des Eisbergs zu sein. Denn wie der “Spiegel” berichtet, ist die Anzahl der sexuellen Übergriffe in der katholischen Kirche in Deutschland, die bekannt geworden sind, weit größer als bisher vermutet. Laut dem Magazin ergab eine Umfrage bei sämtlichen 27 deutschen Bistümern, dass seit dem Jahr 1995 mindestens 94 Verdachstfälle des sexuellen Missbrauchs bekannt geworden sind. Davon sind aber den Angaben zufolge sehr viele zum Zeitpunkt des Bekanntwerdens schon verjährt gewesen. 30 der Fälle seien in der Vergangenheit vor die Gerichte gekommen, hieß es. Mindestens zehn Fälle sollen im Augenblick die Justiz in Deutschland beschäftigen. 24 der 27 Bistümer hatten geantwortet, keine Auskunft gab es von den Bistümern Regensburg, Dresden-Meißen und Limburg. Die Oberhäupter der Katholischen Kirche in Deutschland wollen sich ab dem 22. Februar auf der Tagung der Deutschen Bischofskonferenz mit dem kirchenweiten Missbrauchsskandal beschäftigen.
Dabei scheinen auch die Vorkommnisse am Berliner Elitegymnasiums Canisius längst kein Ende erreicht zu haben. Wie die Berliner Rechtsanwältin Ursula Raue berichtet, gibt es offenbar immer mehr E-Mails und Anrufe von einstigen Canisius-Schülern. Inzwischen sollen es bereits rund 30 Opfer sein, die sich gemeldet haben. Die Rechtsanwältin sprach von einer Lawine, die die Zahl der Opfer täglich steigen lässt. Zudem würden sich auch viele Menschen melden, die als Kinder oder Jugendliche in anderen Institutionen der katholischen Kirche missbraucht worden sein sollen.