Bei ADHS nicht sofort Medikamente

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Foto: Sheep purple / flickr.com

Vor rund dreißig Jahren erhielt das „Zappelphilipp- Symptom“ die offizielle Bezeichnung Aufmerksamkeits – Defizit – Hyperaktivitäts – Störung, kurz ADHS. Seither steigt die Zahl der Diagnosen jährlich an. Vielfach heißt im Falle der Diagnose, das Kind leide unter ADHS, die Lösung Medikamente. Doch lösen diese in der Regel nicht das Problem, sondern lindern nur die Symptome. Eltern können allerdings auch ohne Medikamente ihren Kindern helfen, denn ganz ohne ist die medikamentöse Behandlung nicht.

Immer häufiger scheinen Kinderärzte die Diagnose ADHS zu stellen. So stieg allein in den Jahren von 2004 bis 2007 die Zahl der ADHS Diagnosen um fast 50 Prozent. Als Symptome von ADHS gelten dabei impulsives Verhalten, Unaufmerksamkeit und Überaktivität genauso, wie auch besonders in der Grundschule auffallende Symptome wie nicht lange still sitzen können, viele Flüchtigkeitsfehler und Erklärungen nicht lange und aufmerksam folgen zu können oder eine Aufgabe konzentriert zu Ende bringen zu können. Dennoch sind diese Symptome nicht immer automatisch auf ADHS zurück zu führen. Manche Kinder sind einfach mit einem lebhafteren Naturell ausgestattet.

Doch selbst, wenn das Kind unter ADHS leidet, muss der Einsatz von Medikamenten nicht immer sein. Der Wirkstoff Methylphenidat dämpft zwar merklich die Symptome von ADHS, doch können Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle, Übelkeit und sogar Depressionen vorkommen. Eltern können Kindern mit ADHS vor allem dadurch helfen, dass sie klare Regeln festlegen und durchsetzen, feste Strukturen einhalten und sich auf eindeutige Ansagen verständigen. Unregelmäßigkeiten im Familienablauf oder auch Stress können die Symptome hingegen verstärken. Auch Reizüberflutungen sollten vermieden werden. Ebenso können Ergo-, Pycho- und Verhaltenstherapien dem Kind helfen und auch ohne Medikamente gut zurecht zu kommen.

3 Responses to Bei ADHS nicht sofort Medikamente

  1. Franz Josef Neffe sagt:

    Nach meiner päd. Diplomarbeit über Schule + Autosuggestion habe ich mich bei der Zulassung als Sonderschullehrer mit Autosuggestion + Hyperaktivität auseinander- und zusammengesetzt. Wenn wir auch nur mit ein wenig wissenschaftlicher und pädagogischer Sorgfalt auf Suggestion und die eigene Suggestivwirkung achten würden, dann müsste uns doch auffallen, dass wir ständig SUGGESTIV den Eindruck erwecken und erwecken lassen, dass Medikamente zwar am Anfang, aber eben nur am Anfang vermieden werden können und dass in der Folge es immer am Ende auf Medikation hinauslaufen muss. Durch solche SUGGESTIIVEN Vorgaben machen wir die Probleme erst groß. Auch dies könnte man einfach untersuchen, es ist nicht zu übersehen.
    Medikamente machen das Kind für eine unpassende Schule passend. Das ist keine Problemlösung sondern ein pädagogischer, psychologischer und oft auch medizinischer Kunstfehler. Wir degradieren den Menschen – Kind wie Lehrer wie übrige Beteiligte dadurch zum Füllmaterial für eine zu Tode perfektionierte Schule, und das vergrößert das Problem unaufhaltsam für alle weiter.
    Not amused
    Franz Josef Neffe
    Franz Josef Neffe

  2. web4health sagt:

    Solche Beiträge treffen ja vielleicht die Meinung bzw. besser gesagt die Vorurteile von vielen Nicht-ADHSLern. Und eigentlich würde man auch nur zu gerne zustimmen. Wenn ich aber in der täglichen Praxis einer Klinik (derzeit nicht im ADHS-Bereich) sehe, wie eine Medikamentenfeindlichkeit der Eltern dann über Jahre das Leben der Kinder ruiniert, frage ich micht : Ist das wirklich ein Oberziel, dass man seine Kids „medikationsfrei“ hält, dafür aber unglücklich werden lässt ?

    Fragt man nämlich Kinder mit ADHS, die Medikation erhalten so sind die damit sehr zufrieden und endlich wieder in der Gruppe der Gleichaltrigen integriert.
    Natürlich sind Medikamente nicht ALLES. Aber häufig ist eben bei einer Behandlung ohne Medikation ALLES NICHTS.

  3. Franz Josef Neffe sagt:

    Wenn ich einen Alkoholiker frage, ob es ihm mit oder ohne Alkohol besser geht bekomme ich dieselbe Antwort. Daraus abzuleiten „Natürlich ist Alkohol nicht alles aber ohne Alkohol ist alles nichts“ ist aber doch wohl nicht gerade das, was man Problemlösung nennt.
    Woher kommt denn die behauptete „Medikamentenfeindlichkeit der Eltern“?
    Den Eltern bleiben die Probleme immer, die sie selbst und andere ihnen gemacht haben. Wenn wir die Fälle konkret prüfen, finden wir oft geradezu fürchterliche Problemvermehrungen, die immer allein bei den Eltern hängenbleiben. All diese Ursachen ungeprüft einfach mit einer Pille wegmedikamentieren zu wollen, hat uns mit den Berg von Problemwachstum beschert, unter dem alle leiden. Es wird endlich Zeit für mehr Sorgfalt und Genauigkeit und vor allem für konkrete Beispiele echter Problemlösung.
    Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

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